Wie hieß das Lager?(offizielle Bezeichnung/Tarnname)

vulgo: Lager Vereinshaus

Standort des Lagers

Vor Kopf der Adolf-Hitler-Straße(heute Desseler Straße) an der Heinrichstraße( heute Schulgelände der Grundschule bzw. Förderstufe der hiesigen Gesamtschule Freiherr vom Stein) ca. 350m Luftlinie entfernt von der Stadtkirche im Stadtmittelpunkt.

Gründung und Auflösung

Das Lager bestand als Frauenaußenkommando Buchenwalds von September 1944 bis April 1945, davor: Barackenlager für ca. 700 "angeworbene" französische Fremdarbeiter

Zahl der Häftlinge

1.006 meist ungarische Jüdinnen bzw. jüdische Ungarinnen.

Für welche Firma, welchen Auftraggeber erfolgte die Zwangsarbeit?

Gesellschaft zur Verwertung chemischer Erzeugnisse Hessisch Lichtenau mbH
in 100% Besitz der Dynamit Nobel AG (=Bauherr) verschachtelt mit IG-Farben des Flick-Konzerns


Unterbringung der Häftlinge

in Holzbaracken

Besonderheiten
(Verlagerung/Umbenennungen/Todesmärsche)

- anfänglich 1000 meist ungarische Jüdinnen, in Auschwitz zur Sklavenarbeit selektiert

- eine geistesgestört Gewordene und eine Schwangere nach Bergen-Belsen "verlegt"

- 206 Kranke bzw. Erholungsbedürftige samt gesunder Tochter z.B. nach ca. zwei Monaten Sklavenarbeit zur "leichteren Arbeit in einer Kartonagenfabrik" selektiert und in Auschwitz verschollen

- zwei Häftlinge nach vergeblichem Fluchtversuch im Lagergelände erschossen und verscharrt - laut Augenzeugen, aber namentlich nicht bekannt

- staatsanwaltliche Ermittlungen jahrelang verschleppt (Auslagerung nach Köln), schlampig geführt ,so wurde nach dem sadistischen stellvertretenden Lagerleiter Zorbach, der im Lager "der Neue" genannt wurde, unter dem Namen "Herr Neue" ermittelt - und "leider" nichts gefunden.

- 1976 wurde z.B. der Lagerleiter Willi Schäfer in Südafrika von der Überlebenden der Shoah und Sklavenarbeit in Hess. Lichtenau, Trude Levi, getroffen, zu dem verwandtschaftliche Kontakte aus der Stadt aufrecht erhalten wurden, aber die staatsanwaltlichen Ermittlungen wurden im selben Jahr eingestellt

- durch heute zugängliche Akten könnte Genaueres erforscht werden, aber daran hat niemand Interesse

- nach Auflösung des Lagers: Todesmarsch, Befreiung durch US- Amerikaner in Wurzen


Literatur

700 Jahre Hessisch Lichtenau. 1289 – 1989. Beiträge zur Heimatkunde.
Herausgegeben von der Stadt Hessisch Lichtenau.1989.Stadt Hessisch Lichtenau,
Arbeitskreis "Heimatbuch" Georg Koch, Dr. Georg Heyner, Johann Frank, Dr. Walter Mühlhausen, Günter Bauer, Gestaltung und Herstellung: Druckerei und Verlag Gutenberg, Melsungen,(darin nur Informationen bis 1933 und ab 1945)

Jürgen Jessen / Geschichtswerkstatt Hessisch Lichtenau e.V.(Hg.)700 Jahre Hessisch Lichtenau. Ein Ergänzungsheft zum Heimatbuch.(u.a. Beiträge von Dieter Vaupel, Gregor Espelage). Ekopan-Verlag, Witzenhausen.

Gregor Espelage: "FRIEDLAND" bei HESSISCH LICHTENAU. Geschichte einer Stadt und Sprengstoffabrik .2 Bänden, besonders Band II: Geschichte der Sprengstoffabrik Hessisch Lichtenau. Herausgeber: Stadt Hessisch Lichtenau. Hessisch Lichtenau, 1994,ISBN 3-980-29-21-1-8

Dieter Vaupel: Das Außenkommando Hess. Lichtenau des Konzentrationslagers Buchenwald 1944/45.
Eine Dokumentation. Reihe: Nationalsozialismus in Nordhessen 3. Herausgeber: Gesamthochschule Kassel, Fachbereiche 1 und 5, Verantwortlich: Dietfried Krause-Vilmar, Jörg Kammler, Wolfgang Prinz
2. Auflage 1.500 - 4000, Dezember 1984, ISBN 3-88122-211-1, ISSN: 0175-1840

Wolfram König, Ulrich Schneider :SPRENGSTOFF AUS HIRSCHHAGEN. Vergangenheit und Gegenwart einer Munitionsfabrik. Zweite, durchgesehene Auflage in: Nationalsozialismus in Nordhessen, Schriften zur regionalen Zeitgeschichte. Herausgeber: Gesamthochschule Kassel, Fachbereich 1,Heft 8,

Redaktion: Dietfried Krause-Vilmar, Mitherausgeber: Gesamthochschule Kassel, Fachbereich 13, Band 9 der Schriftenreihe des Fachbereichs Stadt- und Landschaftsplanung,1. Auflage 1985, 2. Auflage 1987,ISBN 3-88122-231-6


Gedenkzeichen am Ort

- Gedenkstein vor dem Gelände des ehem. "Lager Vereinshaus"

- Originallaterne mit eingelagerten Namen der örtlich tödlich Verunglückten und Gedenkstein in der Auffahrt nach Hirschhagen

- Kleine Tafel der Stadt Hessisch Lichtenau mit statistischen Fakten am "Wachhäuschen", dem ehem. Eingang zum Werksgelände.

- Historischer Pfad durch das Gelände von Hirschhagen seit Oktober 2011 mit 18 Tafeln vor jeweils historisch interessanten Gebäuden, erarbeitet von einem kommunalen Arbeitskreis der Städte Helsa und Hessisch Lichtenau, durch diese und mit Europa-Mitteln und Spenden finanziert

Gedenktafeln Teil 1 >>


Gedenktafeln Teil 2 >>


Gedenktafeln Teil 3 >>


Besondere Zeugnisse/Quellen/vorhandene Objekte des ehemaligen Außenlagers am Ort

- Berichte von "Ehemaligentreffen" 1986, 1987 und Sommer1988 (Budapest) aufgrund von Einladungen seitens einer Bürgerinitiative, späteren Geschichtswerkstatt Hessich Lichtenau e.V.an ehem. Mitarbeiter, deutsche Dienstverpflichtete (Frauen), deportierte Zwangsarbeiter, Überlebende der Shoah und Sklavenarbeit ...mit dem Eintrag der überlebenden jüdischen Lagerärztin (Italien)in das Goldene Buch der Stadt:
"Hessisch Lichtenau, früher ein Ort des Schreckens...ist heute ein kleiner ländlicher Ort in grüner Umgebung, voll von Freunden.“

- Eindrücke und Motive überlebender ungarischer Besucherinnen über das damalige Geschehen und die Treffen mit heutigen Lichtenauer Einwohner/inne/n sind auch enthalten in zwei durch Mitglieder der Geschichtswerkstatt seinerzeit mit unterstützten Biographien:

- Judith Magyar Isaacson, Befreiung in Leipzig. Erinnerungen einer ungarischen Jüdin aus dem Amerikanischen übersetzt von Werner Horch,1990 by the Board of Trustees of the University of Illinois, Licensed by the University of Illinois Press, deutsche Erstausgabe: Ekopan-Verlag, Witzenhausen,1991,1. Ausgabe 1991,ISBN 3-927080-!!-X (= im Buchhandel nur schwer zu erhalten, Bezug antiquarischer Restexemplare oder zum Selbstkostenpreis von 5,00 Euro bei Jürgen Jessen, Weberstr. 9, 37235 Hessisch Lichtenau)

-Judith Magyar Isaacson: Freut euch, ihr Lebenden, freut euch. Erinnerungen einer ungarischen Jüdin, Herausgegeben von Gerda Neu-Sokol,2010 Hentrich & Hentrich Verlag Berlin 2010,ISBN 078-3-941450-10-3

- Trude Levi, Eine Katze namens Adolf. Aus dem Englischen übersetzt von Birgit Jessen, by Trude Levy, Licensed by Vallentine Mitchell & Co.Ltd.Ilford, Essex IG2 7HH, England, deutschen Erstausgabe: Ekopan-Verlag, Witzenhausen, 1977,1. Ausgabe 1977,ISBN 3-927080-15-2 (zum Selbstkostenpreis bei Jürgen Jessen, Weberstr. 9, 37235 Hessisch Lichtenau)

- Elke Mark: Kanarienvogel. Ein Buch und Film (2 DVD) Bezug direkt: post@elkemark.com
 

- sonstige Informationen über Hirschhagen, damals und heute vgl. im Internet unter Stichwort „muna-Hirschhagen“ oder Eintrag Hirschhagen bei Regiowicki der HNA (Kassel).

- weiteres Bild- und Tonmaterial (Spielfilm von Christine Becker, Veranstaltungsmitschnitte, -berichte etc.) ggf. auf Anfrage bei Jürgen Jessen (siehe unten) 



Kontakt


Jürgen Jessen, Std.R.i.R.
Weberstr. 9
D- 37235 Hessisch Lichtenau


Tel.: 05602 – 25 86
Fax: 05602 – 91 91 75

E-mail: juergen.jessen@web.de

 

Hier finden Sie Informationen zu Orten außerhalb des Konzentrationslagers Buchenwald, wo Häftlinge gestorben sind oder ermordet wurden:


Sterbeorte >>

 


 

Suche