Wie hieß das Lager? (offizielle Bezeichnung/Tarnname)

IG Wolfen, Filmfabrik-Sonderlager VI (K.F.L.)

Standort des Lagers

Thalheimer Straße (Nordseite)(Anlagen: Stadtplan mit markierten Standorten; Lageplan des Sonderlagers VI)

GrĂŒndung und Auflösung

Das Lager bestand von MĂ€rz 1943 bis Ende Mai 1945.

Zahl der HĂ€ftlinge

425 (5.3.1945)
Von 1939 bis 1945 waren Fremd- und ZwangsarbeiterInnen aus 19 LÀndern in der Filmfabrik Wolfen. Mit 4.629 erreichte ihre Zahl am 1.November 1944 den Höchststand.

FĂŒr welche Firma, welchen Auftraggeber erfolgte die Zwangsarbeit?

IG Farben, Filmfabrik Wolfen

Unterbringung der HĂ€ftlinge

Bis zur Fertigstellung des Lagers waren die HĂ€ftlinge zunĂ€chst im Ostarbeiterinnenlager (angrenzendes Lager II) untergebracht. Dann in dem mit Stacheldraht gesicherten Lager, das direkt der SS unterstand. Dem Plan zufolge befanden sich dort eine Baracke fĂŒr die Wachmannschaften (Nr.1); mehrere Holzbaracken fĂŒr die weiblichen HĂ€ftlinge (Nr.2) und eine Steinbaracke (Nr.3)(Lageplan des Sonderlagers VI).

Besonderheiten
(Verlagerung/Umbenennungen/TodesmÀrsche)
 

Im April 1945 wurden die Frauen mit unbekanntem Ziel aus dem Lager getrieben. Unterlagen der Wolfener Vermögensverwaltung zufolge wurde das Lager Ende Mai 1945 durch bis dahin dort lebende HĂ€ftlinge geplĂŒndert und anschließend niedergebrannt. Die ausgebrannte einst massive Steinbaracke wurde 1947 wieder ausgebaut und als Lager und Werkstatt durch einen Korbmacher genutzt.

Literatur

Benz, Wolfgang/Distel, Barbara (Hg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 3, Sachsenhausen, Buchenwald, MĂŒnchen 2006

Bode, Herbert/Gill, Manfred: Zwangsarbeiter in der Filmfabrik Wolfen 1939 – 1945. Ihre ökonomisch-soziale Lage und Unterbringung dargestellt mit postalischen Belegen, hrsg. v. Betriebsarchiv des VEB Filmfabrik Wolfen, Wolfen 1982

Bode, Herbert: Die Entwicklung des Chemiefaserbereiches der Filmfabrik Wolfen von 1935 bis 1945. Aus der Geschichte der Filmfabrik Wolfen, Nr. 59, hrsg. durch Kommission fĂŒr Betriebsgeschichte der Zentralen Parteileitung und Betriebsarchiv des VEB Filmfabrik Wolfen, Stammbetrieb des VEB Fotomechanisches Kombinat Wolfen, o.J.

Bode, Herbert/ KĂŒhn, Horst: Die Filmfabrik Wolfen - der grĂ¶ĂŸte Faserproduzent Europas, hrsg. vom Industrie- und Filmmuseum Wolfen e.V., Wolfen 2004

Carlebach, Emil/Schmidt, Willy/Schneider, Ulrich: Buchenwald ein Konzentrationslager. Berichte-Bilder-Dokumente, hrsg. im Auftrag der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora, Bonn 2000

Frauen in Außenlagern, Wanderausstellung (exakten Titel bitte ĂŒber Frau Stein (Archiv) erfragen)

FrĂŒholz, Karl: Das System der Zwangsarbeit in den Betrieben der IG-Farbenindustrie Aktiengesellschaft unter den Bedingungen des staatsmonopolistischen Kapitalismus wĂ€hrend der Vorbereitung und DurchfĂŒhrung des Zweiten Weltkrieges, Diss., Berlin 1964

Gehmlich, Hans-Dieter: Es ist gut, solche Freunde zu haben. Polina Schewzowa und Vera Syssojewa – ein Wiedersehen nach 30 Jahren in Wolfen, Hrg. Abteilung Öffentlichkeitsarbeit – Betriebsarchiv VEB Filmfabrik Wolfen – Fotochemisches Kombinat Wolfen, 1976

Menzel, Kurt: AuslÀndische zivile Zwangsarbeiter in der Zeit der Kriegswirtschaft des Kreises Bitterfeld 1939-1945, besonders in den Werken der IG Farbenindustrie, in: Zur Industriegeschichte der Bitterfelder Region, hrsg. vom Verein der Freunde und Förderer des Kreismuseums Bitterfeld e.V., Heft 10, 2009

MĂŒller, Brigitte/ Proske, Eva-Maria/ Weick, GĂŒnther: Die Außenkommandos des KZ Buchenwald im Bezirk Halle, Diplomarbeit, MLU Halle-Wittenberg, 1979

Ragwitz, Renate: Die Frauenaußenkommandos des Konzentrationslagers
Buchenwald, hrsg. von der Nationalen Mahn- und GedenkstÀtte Buchenwald (1982)

Schmelzer, Janis: Der illegale Kampf der Antifaschisten in der Filmfabrik gegen Faschismus und imperialistischen Krieg 1933-1945, in: Aus der Geschichte der Filmfabrik Wolfen, Wolfen 1984

Wilde, Manfred: Das HĂ€userbuch der Stadt Wolfen, Kreis Bitterfeld 1550-1990, Schriftenreihe der Stiftung Stoye, Bd. 33, Neustadt an der Aisch,1999

Gedenkzeichen am Ort

Es gibt im Stadtgebiet Bitterfeld-Wolfen mehrere Gedenksteine, die an bestattete Fremd- und ZwangsarbeiterInnen erinnern. (vgl. Stadtplan mit markierten Gedenkorten und Lagerstandorten, Lageplan des Sonderlagers VI, Bilder der Gedenksteine folgend)

Friedhof Wolfen 1  Friedhof Wolfen 2  Friedhof Wolfen 3 

Auf dem GelÀnde des ehemaligen Lager VI befindet sich heute ein Baumarkt.
Im Umfeld gibt es keinen Hinweis auf das ehemalige Außenlager
RavensbrĂŒck/Buchenwald.

Besondere Zeugnisse/Quellen/vorhandene Objekte des ehemaligen Außenlagers am Ort

WĂ€hrend die Fundamente der niedergebrannten Holzbaracken 1946/47 entfernt, das GelĂ€nde urbar gemacht und nachfolgend als Garten genutzt wurde, erfolgte 1947 der Ausbau der ausgebrannten Steinbaracke fĂŒr eine Nutzung als Lager und Werkstatt. SpĂ€ter wurden in dem GebĂ€ude zwei Wohnungen ausgebaut bis es im Jahre 1993 abgebrochen wurde.
Ein geeigneter Standort fĂŒr einen Baumarkt-Discounter, der das GelĂ€nde ĂŒberbaute.


Kontakt

 

FrauenOrte Sachsen-Anhalt
Dr. Elke Stolze
Hyazinthenstraße 1
06122 Halle

Tel.: 0345 – 678 31 49
E-mail:
estolze@gmx.de

 

 

Hier finden Sie Informationen zu Orten außerhalb des Konzentrationslagers Buchenwald, wo HĂ€ftlinge gestorben sind oder ermordet wurden:


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