Wie hieß das Lager? (offizielle Bezeichnung/Tarnname)

KZ-Außenlager Wernigerode, Tarnname "Richard"

Standort des Lagers

Im Stadtgebiet von Wernigerode, s. Karte:

Lageplan Wernigerode

Gründung und Auflösung

Das Außenlager bestand von 1943 bis 1944/45 (Vorgängerlager schon früher eingerichtet)

Zahl der Häftlinge

900 Häftlinge

Für welche Firma, welchen Auftraggeber erfolgte die Zwangsarbeit?

Rautalwerk Wernigerode u.a.

Unterbringung der Häftlinge

 

Siehe nächster Punkt


Besonderheiten
(Verlagerung/Umbenennungen/Todesmärsche)

Bereits kurz nach Beginn des 2. Weltkrieges wurde am Veckenstedter Weg ein Arbeitslager für ca. 300 Zwangsarbeiter errichtet. Im Frühjahr 1943 wurde dieses Zwangsarbeiterlager in eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald umfunktioniert und erreichte eine Kapazität von 800 bis 900 Häftlingen, welche hier in Baracken untergebracht waren. Dieses Außenkommando wurde unter der Tarnbezeichnung "Richard" geführt.

 

Das Lager bestand aus sieben Baracken im eigentlichen Lagerbereich und einer achten Baracke für die SS-Wachmannschaften außerhalb des Lagers. Das Lager wurde umgeben von einem doppelten Stacheldrahtzaun, dessen innerer Zaun elektrisch geladen war und eine Höhe von ca. 3,50 m hatte.

 

Die Häftlinge kamen aus Buchenwald. Bei der Auswahl des Standortes spielte die günstige Lage eine große Rolle (Sicherheit, Abgeschiedenheit, Nähe der Produktionsstätte). Ständig erfolgte ein Austausch mit dem Stammlager Buchenwald, um immer arbeitsfähige Kräfte zur Verfügung zu haben. Der Arbeitstag der Häftlinge reichte vom frühen Morgen bis in die Nacht. Einsatzgebiete waren das Rautalwerk, bergmännische Arbeiten im Galgenberg, Gleisbauarbeiten und nicht zuletzt der Ausbau des Lagers. Innerhalb des Rautalwerkes, das vor allem Zylinder- und Motorengehäuse für Flugzeug-, Fahrzeug-, Schnell- und Sturmbootmotoren herstellte, arbeiteten die Häftlinge in der Gießerei, Entkernerei und Putzerei, der Kontroll- und Versandhalle sowie Leichtmetallwerk. Die Arbeit war schwer und gesundheitsgefährdend. Angesichts dieser Zustände waren viele Häftlinge innerhalb von drei Monaten so erschöpft, dass sie zurück in das Stammlager deportiert und durch gesunde Häftlinge ersetzt wurden.

 

Im November 1944 mussten die Gefangenen sich in Hasserode (Steinerne Renne) ein Außenkommando errichten, da auch dort Fabriken für die Rüstungsproduktion ausgebaut worden waren. Bis zum Dezember 1944 wurde der größte Teil der Häftlinge vom Veckenstedter Weg dorthin überstellt und das frühere Lager offiziell aufgelöst. Zur Bewachung der Lager waren 56 (Veckenstedter Weg) bzw. 49 (Steinerne Renne) SS-Leute eingesetzt. In der letzten Phase wurde der größte Teil der Wachmannschaften durch in die SS aufgenommene Luftwaffenangehörige und Fremdarbeiter aus verbündeten Staaten (Rumänien, Ungarn, Kroatien) abgelöst. Diese waren oftmals mit der eigenen Lage unzufrieden und bereit auf Absprachen zum Vorteil der Häftlinge einzugehen. Beim Anmarsch der amerikanischen Truppen befahl die SS die Evakuierung des Außenkommandos Steinerne Renne, die am 10. April 1945 begann. Nach 16 qualvollen Tagen erreichten lediglich 57 von 500 abmarschierten Häftlingen die Endstation in Leitmeritz (heute Litomerice in Tschechien).

Literatur

Reinhard Jacobs (2001): Terror unterm Hakenkreuz – Orte des Erinnerns in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. – Studie im Auftrag der Otto Brenner-Stiftung, Berlin

Gedenkzeichen am Ort

Im Lagerbereich eine Gedenkstätte (Mahn- und Gedenkstätte Veckenstedter Weg Wernigerode), am Außenkommando Hasserode ein Gedenkstein. Heute sind auf dem Gelände noch 4 Baracken vorhanden. Davon ist eine Baracke im Originalzustand zu besichtigen. In einer zweiten Baracke befindet sich eine Dauerausstellung mit Exponaten aus dem Lager und Dokumentationen. In den beiden anderen Gebäuden sind die Verwaltung, Archive und Schulungsräume untergebracht. Außerdem befindet sich auf dem Gelände der Gedenkstätte ein Mahnmal, welche an die Opfer des Naziterrors erinnert. Regelmäßig finden hier Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen statt. Für die Gedenkstätte hat sich ein Förderkreis gebildet.

Besondere Zeugnisse/Quellen/vorhandene Objekte des ehemaligen Außenlagers am Ort

s.o.


Kontakt


Landkreis Harz
GB 80
Fr.-Ebert-Str. 42
38820 Halberstadt


Besucheranschrift:

Dornbergsweg 2
38855 Wernigerode

Tel.: 03943 935806
Fax: 03943 935815


E-Mail:     
gedenkstaette.wernigerode@kreis-hz.de

Internet:  Gedenkstättenportal zu den Orten der Erinnerung in Europa
                  www.kreis-hz.de

 

Öffnungszeiten: Montag, Dienstag und Donnerstag: 8 - 15 Uhr
(sowie außerhalb der Öffnungszeiten nach telefonischer Voranmeldung)

 

Führung (Dauer ca. 45 - 60 min) findet nach vorheriger Anmeldung statt.

Die Geschichte des Lagers und die Lebensbedingungen der Häftlinge werden in zwei original erhaltenen Baracken vermittelt. Drei Räume können in ihrem ursprünglichen Zustand besichtigt werden. (Unterkunftsraum, Krankenzimmer und eine Sanitätsstube). Die ständige Ausstellung informiert über die Geschichte des KZ-Außenlagers am Veckenstedter Weg, des KZ-Außenkommandos Steinerne Renne und die Todesmärsche. Insbesondere werden die enge Verbindung von KZ und Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie sowie die Inhaftierung der Häftlinge in Wernigerode thematisiert.
Wechselausstellungen, Projekttage zu ausgewählten Themen.
Die Dokumentationsstelle und die Bibliothek sind nach Absprache zugänglich.


Es finden Führungen zu folgenden Ausstellungen statt:

- Zwangsarbeitslager und KZ-Außenkommando "Richard" Veckenstedter Weg
- Wanderausstellung zur "Zwangsarbeit slowenischer Vertriebener 1941-1945"


Des Weiteren sind Einblicke in das Archiv- und in das Dokumentationszentrum (Bibliothek, Zeitungsarchiv sowie Dokumenten- und Sachzeugenarchiv) möglich.

In der Bibliothek gibt es ca. 18.000 Büchern, Zeitschriften und Publikationen zu den Themen:
 

- allgemeine Geschichte
- Deutsches Reich
- Zwangsarbeit
- Konzentrations- und Vernichtungslager
- Widerstand
- Zweiter Weltkrieg
- proletarische und antifaschistische Kunst
- Holocaust
- Gedenkstättenpäddagogik und Geschichtslehrbücher

 

Verkehrsanbindung:

 

Bahn: Hauptbahnhof Wernigerode, Citybuslinie 1 bis zur 4. Haltestelle Zaunwiese + ca.100 m Fußweg

Pkw: über die B 6, Abfahrt Wernigerode, Gewerbegebiet Nord / Ost

Bus: Haltestelle Zaunwiese


 

Hier finden Sie Informationen zu Orten außerhalb des Konzentrationslagers Buchenwald, wo Häftlinge gestorben sind oder ermordet wurden:


Sterbeorte >>

 


 

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