Gründung und Auflösung

Das Lager bestand von Oktober 1944 bis April 1945.

Lagername/-bezeichnung /Betrieb

Die Zwangsarbeit erfolgte für die Ernst Heinkel AG, einen Flugzeugbauer.
Im Werk wurden Flugzeugrümpfe für den Nachtjäger He 219 produziert.

Offizielle Bezeichnung des Lagers

„Außenkommando Brunshausen, Apparatebau, Werk A“
Es ist ein sog. „Fabrikkommando“, das zum benachbarten Flugzeugwerk der Ernst Heinkel AG gehörte. Es handelte sich um das 79. Außenlager des KZ Buchenwald.

Tarnbezeichnung

keine Information

Häftlinge

Männer

Zahl der Häftlinge

Die meisten Insassen zählte das Außenlager Mitte November 1944 mit 584 Häftlingen

Standort des Lagers

37581 Bad Gandersheim
nördlicher Stadtrand / Vorwerk Brunshausen

Postalische Anschriften heute:
Ehemaliges Firmengelände der Ernst Heinkel AG:
Hildesheimer Straße 35 (heute: Auer Lighting GmbH)
Klosteranlage: Brunshausen Nr. 4-7

Unterbringung der Häftlinge

Die ersten vier Monate verbrachten die Häftlinge in der 1793 profanisierten spätromanischen Kirche des Klosters Brunshausen, das zum 1810 aufgelösten Stift Gandersheim gehörte.
Das Gebäude befand sich in einem verwahrlosten Zustand und es herrschten katastrophale Bedingungen vor, insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass trotz des Winters und klirrender Kälte keine Möglichkeit der Beheizung bestand und die Häftlinge auf ausgelegtem Stroh zu kampieren hatten.
Im Januar 1945 bezogen die KZ-Arbeiter ein eigenes Barackenlager in der Nähe der Fabrik, doch das brachte keine wesentliche Besserung mit sich, da auch die neuen Quartiere völlig überfüllt und verlaust waren. Vermutlich war das ein Grund mit für den hohen Krankenstand.

Besonderheiten
(Verlagerung/Umbenennungen/Todesmärsche)

Am 2. April 1945 erging der Befehl zur Auflösung des Außenkommandos. Grund war die näherrückende 9. US-Armee.
Der Evakuierungstransport sollte zu Fuß erfolgen. Am Morgen des 04. April 1945 wurden vor dem Abmarsch 40 nicht marschierfähige Häftlinge unter einem Vorwand in das nahegelegene Clus-Wäldchen gebracht und erschossen. Für die übrigen Häftlinge sollte sich ein dreiwöchiger Fußmarsch zum KZ Dachau anschließen.
Nach der Kapitulation mussten Einwohnerinnen und Einwohner aus Bad Gandersheim die im Clus-Wäldchen verscharrten Leichen ausgraben und auf dem Salzbergfriedhof beerdigen.

Literatur

Antelme, Robert: Das Menschengeschlecht(1957). Aus dem Französischen von Eugen Helmlé.- München: Hanser 1987, Frankfurt: Fischer 2001

Bad Gandersheim, in: Puvogel, Ulrike / Stankowski, Martin: Gedenkstätten für die Opfer des NS, Bd. 1, S. 376ff .

Baranowski, Frank: Bad Gandersheim, in: Benz, Wolfang / Distel, Barbara: Ort des Terrors, S. 374-376.

Baranowski, Frank: Geheime Rüstungsprojekte in Südniedersachsen und Thüringen während der NS-Zeit, Duderstadt : Mecke 1995

Baranowski, Frank: : Rüstungsproduktion in Mitteldeutschland von 1929 – 1945, Eine vergleichende Betrachtung zweier Regionen unter Berücksichtigung des Zwangsarbeitereinsatzes in der deutschen Rüstungsindustrie und der Untertageverlagerung in der Endphase des NS-Regimes, Duderstadt 2007.

Breitenfeld,Victoria/Schmidt,Petra:Im Schatten der Klosterkirche . Der historische Kontext zu Robert Antelmes "Das Menschengeschlecht", Berlin 2002.

Duras, Maguerite: Der Schmerz.Roman – übersetzt aus dem Französischen von Eugen Helmlé .München:Hanser 1986

Le Goupil, Paul / Texier, Gigi / Texier, Pierre: Bad Gandersheim. Autopsie eines Außenkommandos von Buchenwald. Übersetzung aus dem Französischen von Barbara und Helmut Helmke.
Redaktion Anne-Katrin Race. Hg.: Stadt Bad Gandersheim, Bad Gandersheim 2005.

"Liste der Ausländer in Gandersheim (1945)", in: NLA-Staatsarchiv Wolfenbüttel, Akte 17 N Zg. 5/2008 Nr. 262.

Neander, Joachim: Die Ermordung der „Bibelforscher“ auf dem Todesmarsch des KZ Gandersheim, in: Südniedersachsen, Zeitschrift für Regionale Forschung und Heimatpflege, 27. Jahrgang, 1/1999, S. 7-19

Quast, Anke: Gandersheim, in: Obenaus, Herbert (Hg.): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Göttingen 2005, Bd. 1, S. 591-595.

Schmidt ,Petra / Breitenfeld,Victoria,: Opfer und Täter in einer Person, Zwei Biographische Skizzen; in: Dachauer Hefte 10 (1994); S. 167 -190

Informationen und Ergänzungen (insb. zu "Hintergrundinformationen - Bad Gandersheim um 1933", "Gedenken und Erinnern" und "Displaced Persons") von Anne-Katrin Race, Bad Gandersheim, 2009.

Gedenkzeichen am Ort

Auf dem Salzbergfriedhof erinnert eine Gedenktafel an die 40 erschossenen Häftlinge aus dem Clus-Wäldchen, die dort 1946 beigesetzt wurden. Die (vermuteten) Opfer sind dort namentlich aufgeführt.
An der Außenseite des Klosterkirche in Brunshausen befindet sich eine Bronzetafel, die u. a. an die Zeit Brunshausens als Buchenwald-Außenkommando erinnert.
Vor der Kirche, auf dem damaligen Appellplatz, ist ein Rosenbeet angelegt, in deren Mitte sich ein großer Findling befindet. Auf einer Bronzetafel an dem Stein ist ein zusammengekauerter Mensch hinter Stacheldraht zu sehen, darunter die mahnende Inschrift „Vergesst nicht“.
Neben dem Rosenrondell beginnt der „Robert-Antelme-Weg“. Dieser wurde 2002 in Gegenwart von Gigi und Pierre Texier eingeweiht und führt bis zur Erschießungsstelle im Clus-Wäldchen.
Am Einstieg in den Weg befindet sich eine Tafel mit einer kurzen Lebensbeschreibung von Robert Antelme.
An der Erschießungsstelle im Clus-Wäldchen befindet sich ein Holzkreuz mit der Inschrift „Zu krank für den Abmarsch bei der Auflösung des KZ Brunshausen wurden am 4.4.1945 hier 40 Häftlinge erschossen. Sie liegen auf dem Salzbergfriedhof Bad Gandersheim.“
In der Ausstellung „Portal zur Geschichte“ (PzG) in der Klosterkirche Brunshausen findet sich ebenfalls ein Abschnitt,
der sich mit der NS-Zeit des Klosters auseinandersetzt.

Besondere Zeugnisse/Quellen/vorhandene
Objekte des ehemaligen Außenlagers am Ort

Literarisch von Bedeutung sind sicherlich die Werke „Das Menschengeschlecht“ von Robert Antelme, der darin u. a. seinen Aufenthalt in Brunshausen verarbeitet, und „Der Schmerz“ von Maguerite Duras, in dem sie die Erlebnisse mit ihrem aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Mann Robert Antelme schildert.

An der Stelle der Heinkel-Produktionshallen befindet sich heute mit der Auer Lighting GmbH, ein Hightech-Unternehmen der Glasindustrie.

In den Räumlichkeiten des Klosters Brunshausen incl. der Klosterkirche ist die Dauerausstellung „Portal zur Geschichte“ untergebracht, die sich mehr mit der mittelalterlichen Bedeutung des Ortes und des „Freien Reichsstiftes Gandersheim“ befaßt.
Nur ein kleiner Teil der Ausstellung befasst sich mit der NS-Vergangenheit des Klosters.
Auch wenn sich noch teilweise Gebäudeteile aus der Zeit finden lassen, ist eine nachvollziehbare Betrachtung der damaligen Verhältnisse nur schwer möglich.

Kontakt

Portal zur Geschichte (PzG)
Brunhausen Nr. 7
37581 Bad Gandersheim

Telefon: 05382 / 95 56 47
Telefax: 05382 / 95 56 48

www.portal-zur-geschichte.de

oder:

Stadt Bad Gandersheim
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Markt 10
37581 Bad Gandersheim

Telefon: 05382 / 73 103
Telefax: 05382 / 73 170

E-mail:    kielhorn@bad-gandersheim.de
Internet: www.bad-gandersheim.de


Hier finden Sie Informationen zu Orten außerhalb des Konzentrationslagers Buchenwald, wo Häftlinge gestorben sind oder ermordet wurden:


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