Gründung und Auflösung

wurde am 14. Juni 1944 als KZ-Außenlager eingerichtet

• Lager für weibliche Häftlinge

- 14. Juni 1944 bis 13. April 1945

- bis 31. August 1944 Außenlager des KZ Ravensbrück

- ab 1. September Außenlager des KZ Buchenwald

 

Lager für männliche Häftlinge

- 3. November 1944 bis 13. April 1945

- Außenlager des KZ Buchenwald

 

Außenlager des KZ Ravensbrück, ab 1. September 1944 des KZ Buchenwald

 

Lagername/-bezeichnung/Betrieb

• weibliche Häftlinge

- verschiedene Abteilungen in der Munitionsproduktion der Polte OHG

- Werkkantine der Polte OHG und Lagerküche

 

männliche Häftlinge

- verschiedene Abteilungen in der Munitionsproduktion der Polte OHG

- Befestigungs- und Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen in der Magdeburger Innenstadt


Offizielle Bezeichnung des Lagers

Arbeitskommando Polte-Magdeburg

 

Tarnbezeichnung

keine Information

 

Häftlinge

Männer + Frauen


Zahl der Häftlinge

• im Lager waren etwa 3 000 weibliche Häftlinge und 600 männliche Häftlinge, darunter etwa 2 000 Juden aus Lettland, Rumänien, Estland

• Lager für weibliche Häftlinge

- 01.09.1944: 1.885 Häftlinge

- 11.01.1945: 2.992 Häftlinge (Höchstbelegung)

- 22.03.1945: 2.984 Häftlinge

- insgesamt 3.090 inhaftierte Frauen

 

Lager für männliche Häftlinge

- 03.11.1944: 500 Häftlinge

- 25.03.1945: 585 Häftlinge (Höchstbelegung)

- insgesamt mind. 630 inhaftierte Männer (zzgl. eines weiteren Häftlingstransports mit einer bisher unbekannten Zahl von Häftlingen)

 

Wie viele Todesopfer gab es?

 

Lager für weibliche Häftlinge

- 20 namentliche verzeichnete Todesopfer im Lager selbst

- 109 Deportationen in verschiedene Stammlager wegen Arbeitsunfähigkeit durch schwere Krankheit

- nach Angaben von Überlebenden erreichten nach Evakuierung des Lagers und Todesmarsch nur ca. 600 von fast 3.000 Häftlingen lebend das KZ Ravensbrück

 

Lager für männliche Häftlinge - mindestens 45 Todesopfer (inkl. Deportationen in verschiedene Stammlager)

 

Standort des Lagers

direkt gegenüber dem Hauptwerk der Polte OHG, Poltestraße 65-91 (heute Liebknechtstraße), Magdeburg (Wilhelmsstadt, heute Stadtfeld-Ost)


Magdeburg Polte

Eingangstor des Lagers


Unterbringung der Häftlinge

• befand sich gegenüber der Firma Polte in der Poltestraße (heute: Liebknechtstraße)

• weibliche Häftlinge

- sechs, nicht beheizbare Holzbaracken ohne Fenster und Türen

 

männliche Häftlinge

- drei Holzbaracken eines ehemaligen Lagers für russische Zwangsarbeiter bzw. Kriegsgefangene

 

Besonderheiten
(Verlagerung/Umbenennungen/Todesmärsche

• Lager wurde am 11. April 1945 (Männer) und am 13. April 1945 (Frauen) evakuiert (Todeszug der Häftlinge zum Stadion „Neue Welt“ östlich der Elbe)

• Massaker im Stadion „Neue Welt“

- 13. April 1945: Evakuierung der inhaftierten Frauen und Männer durch Angehörige des Volkssturms und der Hitlerjugend

- Häftlinge geraten auf dem Gelände des Stadions „Neue Welt“ (ostelbisch, an der Berliner Chaussee, Magdeburg) unter Artilleriebeschuss amerikanischer Truppen

- Wacheinheiten des Volkssturms und der Hitlerjugend reagieren auf Panik und Fluchtversuche der Häftlinge mit Waffengewalt

- mindestens 42 Häftlinge werden erschossen, Überlebende sprechen von deutlich mehr Todesopfern des Massakers


Literatur

• Begrich, Pascal: Die Polte OHG und das Außenlager des KZ Buchenwald Polte-Magdeburg, Magisterarbeit, Magdeburg 2003.

Ders.: Das Frauen-KZ der Polte OHG in Magdeburg, in: Detlef Schmiechen-Ackermann u. Steffi Kaltenborn (Hg.), Stadtgeschichte in der NS-Zeit, Münster 2005, S. 123-134.

Ders.: Magdeburg (Polte-Werk OHG) (Männer), in: Wolfgang Benz u. Barbara Distel (Hg.), Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 3, München 2006, S. 518-520.

Ders.: "Man passte auf, dass man uns leiden ließ." KZ-Häftlinge in Magdeburg, in: Matthias Puhle (Hg.), Unerwünscht – Verfolgt – Ermordet. Ausgrenzung und Terror während der nationalsozialistischen Diktatur in Magdeburg 1933-1945, Magdeburg 2008, S. 317-328.

 

Gedenkzeichen am Ort

• seit Mitte der 1970er Jahre Mahnmal gegenüber dem ehemaligen Hauptgebäude der Polte-Werke in der Liebknechtstraße in Form eines ehemaligen Lagertors

Gedenkstein in Erinnerung an das Massaker vom 13. April 1945 auf dem Gelände es ehemaligen Stadions „Neue Welt

 

Besondere Zeugnisse/Quellen/vorhandene Objekte des ehemaligen Außenlagers am Ort

das steinerne Eingangstor existiert noch

 

Kontakt

 

Stadt Magdeburg

Stadtarchiv Magdeburg

39090 Magdeburg

 

Hier finden Sie Informationen zu Orten außerhalb des Konzentrationslagers Buchenwald, wo Häftlinge gestorben sind oder ermordet wurden:


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